Nazischmierereien am Erdinger Jugendzentrum
"Aufstand der Anständigen" kontra "Tage der Toleranz"
kontra Diskussionen zum Jugendparlament
und ein Chat der Erdinger Landratskandidaten 2002

in der Nacht von 30.02. auf 01.03.02                          -         Briefkasten-Werbung und Stimmzettel

Die Athmosphäre ist gespannt. Jugendliche auf beiden Seiten bekriegen sich seit Jahren. Statt eines Jugendzentrums sei der Ort an der Dorfener Straße zur "Jugendverwahranstalt" verkommen, meinen Kritiker seit langem.
Dabei ginge es auch anders: Würde die Stadt den Jugendlichen mehr Freiräume zugestehen, oder gar ein autonomes Jugendzentrum, würden auch intellektuelle Jugendliche angesprochen, könnte statt eines Potentials an Gewalt kulturelle Mischung und Kreativität aufgebaut werden, so deren Meinung.

Das Thema der Nazischmierereien und Lösungsmöglichkeiten war auch Thema im Landratskandidaten-Chat am 01.03.02:
hier ein Auszug:


Walter: heute gabs ne nazi-schmiererei am gebäude des juz. heisses thema?
KUHN: sicher heißes thema, viel zu wenig beachtet im landkreis.
Walter: wie kann man perspektiven für die jungen leute schaffen, um sie z. b. davon abzuhalten, auf andersarige oder schwächere einzuprügeln, auch das kam zuletzt im juz vor
SCHMIDT: die gefahr gewaltbereiter neonazis wird immer noch unterschätzt, ich habe ein bündnis für tolernaz und menschenrechte, gegen gewalt im letzten jahr initiert alle demokratischen parteien haben da mitgemacht, viele gemeinden haben das unterstützt.
Thom: Neonationalismus ist doch wohl eine Volkskrankheit
HorstSchinke:Wie stehen die Kandidaten zum Thema Familien-,Ausländer und Kinder-und Jugendpolitik im Landkreis
SCHMIDT: 2. im landkreis sollen unterschiedliche Modelle der Beteiligung jugendlicher ausprobiert werden, z.b. konferenzen mit den SMVen der landkreisschulen
REITER: Familen, Kinder- und Jugendpolitik sollte in serter Linie vor Ort in den GEMEINDEN passieren. Ein Bündnis Famile auf Landkreisebene, wie von der SPD vorgeschlagen, finden wir gut und würden wir unterstützen. Ansonsten: Jugendparlamente sind einzuführen.
SCHMIDT: 3. Aufwertung des Ausländerbeirates 4. neben einem Kinderbericht brauchen wir auch einen Armutsbericht auf landkreisebene
Walter: ist das jugendparlament inzwischen gescheitert? woran hat es gelegen?
Landkreisbürger: Mich würde interessieren, ob Kultur in Erding verstärkt gefördert werden könnte?
REITER: Im Landkreis Erding gibt es noch kein funktionierendes Jugendparlament. Erste Ansätze sind in Erding und Dorfen. Aber laufen tuts noch nirgends im Landkreis!
SCHMIDT: an reiter und kuhn, die vorschläge von walter zur mitfahrzentrale sollte sich der Kreistag mal genauer anschauen
Mittermeier: Familienpolitik und Jugendförderung waren bereits in der Vergangenheit herausragende Themen der CSU-Politik.
SCHMIDT: an reiter, woran ist es denn in erding gescheitert, die ju war doch am anfang dafür?
REITER: Zu Herrn Mittermeier: Interessant, und woran z.B. hat man das herausragende Engagement der CSU im Landkreis erkannt?
Mittermeier: Wohnungsbauförderung, Vereinsförderung vor allem im Zusammenhang mit der Jugendarbeit, bestmögliche personelle Ausstattung der Sozialeinrichtungen (Erziehungsberatung etc.)
REITER: Zu Schmidt: Die JU war sich uneins über die Form eines Jugendparlaments. Der Antrag wurde letzlich von den Jungen Ökologen alleine gestellt und ist meines Wissens momentan auf Eis. Aber gescheitert ist damit das Jugendparlament in Erding noch nicht.

zum kompletten Chat mit den Landratskandidaten

 

Am 20.04.2008 in Erdinger Briefkästen

meine Antwort an toleranz-fuer-deutsche@freenet.de:
liebe mehr oder weniger tolerante Erdinger.

aufgrund obigen Flugblattes hier eine eigene 
Stellungnahme:

Wie jung ist die Jugend von Erding?
Ich wünsche mir eine tolerante, aufgeschlossene und
mutige Jugend, die keine Angst vor Niemanden hat, die
mit jedem redet und dabei auch kritische Fragen
stellt.
Jugendlich sein heißt für mich sich auf die Suche
nach eigenen Wegen und Erfahrungen machen. Das geht am
besten ohne Vorurteile: Gerade im jugendlichem Alter
ist deshalb auch die Chance am größten - für Deutsche
wie Ausländer - tolerante Sichtweisen zu entwickeln,
um daraus nicht nur körperlich sondern dazu parallel
auch geistig zu wachsen. Grundvoraussetzung dazu ist
das Aufhebeln von Vorurteilen wie "Ausländer sind
Gewalttäter!" -?
Nicht nur, dass derlei Äußerungen nichts mit einem
"Aufstand der Anständigen" zu tun hat, sondern im
Gegenteil eine Anstiftung zur Ausländerhetze
darstellt! 

Meiner Meinung verhindern derartige Vorurteile auch
die Sicht auf die eigentliche Problematik, nämlich
dass sich der Unterschied zwischen Oben und Unten ganz
allgemein vergrößert. Logisch, dass wer Unten steht,
wer für sich keine Perspektive erkennt, auch dazu
neigt aggressiv zu werden, Gerechtigkeit - auch illegal
- selbst herzustellen. 
Wer Unten steht, hat am wenigsten zu verlieren -
derlei Zusammenhänge gelten allgemein, und hat nicht  
speziell mit Ausländer zu tun, erst recht nichts mit
einem Zuviel an Toleranz. 
Im Gegenteil, denn erst das Zementieren wachsender
Unterschiede auch im Geiste lässt diese zwischen den 
Schichten weiter wachsen. Lösen lässt sich das nur, in 
dem man sowohl politisch gegensteuert, aber auch eine
innere Toleranz zulässt, die jedem befähigt sich
selbst zu hinterfragen. Auch eine solidarisch positive
Grundeinstellung wäre hilfreich, die sagt: "Wir
schaffen das Gemeinsam!" - im Sinn auch der eigenen
Lebensqualität.
Der wachsende Unterschied zwischen Oben und Unten
beginnt bereits in den Schulen, in der sog. Eliten
rasch vom Rest der Masse getrennt werden. Die Manager
und Politiker von Morgen verlieren an Bodenhaftung,
weil sie bereits in ihrer Kindheit auch mental kaum
mehr etwas mehr mit der "Unterschicht" zu tun haben,
wenn sie sich kaum mehr vorstellen können, wie sich
Entscheidungen ihrerseits auf einen Hartz IV-Empfänger 
oder Billiglohnarbeiter niederschlägt. 
Und die zugleich meist bildungsferne Unterschicht 
- egal ob Deutscher oder Ausländer - ist oft nicht 
wissend derlei Zusammenhänge zu durchschauen, um sich 
statt dessen gegeneinander ausspielen zu lassen. 
Ich erlebe dies seit einiger Zeit ganz massiv als
Schichtarbeiter am Münchner Flughafen. Die
Globalisierung (von den Managern und Politikern so
gewollt) brachte dem Bodenverkehrsdienst Wettbewerber,
und damit Arbeiter, die sich nun, unterschiedlichen  
Herren dienend, gegenseitig unterbieten. Die Folge:  
Der Flughafen wächst und expandiert durch die billigen
Dienstleister (Je billiger das Angebot, je größer die
Nachfrage und desto größer die Notwendigkeit einer
Dritten Startbahn). Die Rechnung bezahlen die
Beschäftigten, die für immer weniger Geld immer mehr
arbeiten, um untereinander (FMG - MUC-Ground -
Avia-Partner) konkurrenzfähig zu bleiben. Die
kritischsten Leute werden einer "Endlösung" zugeführt. 
Diese nennt sich heute Hartz IV.

Die "Deutschen Gene" (siehe z.B. 1933 - 45) sind nicht
besser als Schwarze, Gelbe oder Rote. Statt dessen
unterschätzen wir die Fähigkeiten, die jedem Menschen
zur Verfügung stünden, um aus ihm etwas Besonderes zu
schaffen. Wir müssten es nur wollen, diese Potentiale
besser auszuschöpfen - ich meine das nicht einzig in
Richtung einer aufs egoistische Fortkommen bezogenen
Bildung für Eliten, die dann wieder über alle andern  
steht, sondern auf eine, welche durchaus aufs  
Individuum bezogen die Gesellschaft insgesamt einander  
wieder mehr zusammen bringt. Das aber geht nur mit  
Toleranz!

walter koppe,
www.xED.de

 

Ihre / Eure Meinung

1. Meinung von C.: 
Der Text ist fast 100%-ig von dem NPD-Landkreisvorsitzenden Robert Dietrich verfasst worden, der VIDP ,Mike Nwaiser, ist ein sehr bekannter Neonazi, aktiv vor allem Muenchen aber auch landesweit. Sein Name findet mensch auf fast allen NPD- oder andere nationalistische Aufkleber. 
Da wir schon beim Thema sind, am 28. April muesste in Erding das Prozess gegen Horst Mahler wegen Volksverhetzung und Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen stattfinden (http://www.aida-archiv.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1074&Itemid=1 ).

2. Meinung von ANBA.: 
Ich möchte mich zwar nicht in den Vordergrund drängen, aber das gesamte Flugblatt wurde nicht von dem Herrn Dietrich erstellt, sondern von einem deutschen Jugendlichen der sich eine menge Gedanken über die heutige Politik und Gesellschaft macht. Auf eine Art ist das aber auch egal wer das geschrieben hat. Es zählt die Botschaft die man übermitteln möchte!

3. Meinung von Eli.: 
Wer ist nun eigentlich Die Jugend von Erding?
Ist es die Kickum und der Springborn oder bist es Du?
und was ist Deine Botschaft? Dass es mit Toleranz nicht geht?
Wie geht es dann?

weitere Meinungen: 
siehe hier


Eigentlich sollte der Samstagnachmittag das Jugendparlament ein weiteres Stück in Richtung seiner Realisierung voranbringen. Dazu war im Zelt am Schrannenplatz eine Diskussion zum Thema angesagt - wobei das wachsende Polizeiaufgebot bereits deutlich machte, dass es für die Organisatoren nicht so einfach werden sollte. 
Am Ende waren es bis zu 40 Rechte - leicht auszumachen in ihren T-Shirts mit der Aufschrift "Toleranz für Deutsche" - die sich vor dem Zelt eingefunden hatten. Weil die Gruppe nicht weiter aggressiv in Erscheinung trat, konnte man dieser die Teilnahme an der Diskussionsveranstaltung schlecht verbieten. Erst als diese allmählich immer mehr die Diskussion an sich nahm, wurden man unsicher - und löste die Veranstaltung schließlich auf.   
Falls es nun Leute gibt, denen nicht so ganz klar ist, was es mit derlei Gruppen auf sich hat:   
Nach dem Rückzug der Rechten fanden sich etwa ein Dutzend ausgefüllte "Stimmzettel" der Friedrich-Ebert-Stiftung, etwas zweckentfremdet mit einer überaus deutlichen Botschaft (siehe unten) am Präsentationsbereich der Jusos. 
Wie passt ein taktisch kluges Vorgehen nur zusammen mit: "Sie wissen nicht was sie tun"? 
Ein Fall für die Staatsanwaltschaft - oder doch eher für Psychologen?


 

auch weiterhin Ihre / Eure Meinung