Michael Röhrl

Hintergrundbericht
zur Schulaufführung "Finde Dich"

zur Schulaufführung "Von Liebe erdrückt"

Neue Wege geht seit dem Schuljahr 2000/01 die Herzog-Tassilo-Realschule in Erding. An der Münchener Straße wird seit Beginn des Schuljahrs das Wahlfach Musiktheater angeboten.
Für einige Stunden pro Woche konnte dazu als Lehrkraft der Dorfener Michael Röhrl gewonnen werden, der bereits in der Open-Air-Theateraufführung "Der Friede" in Burgrain die Feder führte.
Für die durchaus noch jugendlich wirkende Erscheinung Röhrl, der "nebenbei" auch noch die Hauptfächer Mathe, Physik oder Informatik unterrichtet, bieten die rund 50 Theater- und Musikbegeisterten innerhalb des Unterrichtsfachs eine völlig neue Herausforderung.

Das Stück "Finde Dich", von ihm selbst verfaßt, lag zwar schon fertig in der Schublade, bevor dieses von den Schülerinnen in Sequenzen, Szenen und Lieder zerlegt einstudiert wurde. Nebenbei war lange Zeit die Frage nach dem Aufführort unklar. Mutig dann die Entscheidung, dafür nicht in etwa die Aula sondern jenen eigentlich überhaupt nicht fürs Theaterspielen geeigneten eher verwinkelt und engen Bereich im Untergeschoß zu verwenden.
Ausschlag gab neben dem fast familiären Bezug zum Publikum schließlich vor allem auch die spezielle räumliche Wirkung, die für das Stück wichtige Einbeziehen der dritten Dimension. Denn, so die Lehre aus "Finde Dich": zwar dreht man sich im Kreis, aber spiralförmig nach oben, wie in einem Zylinder. Und diesen Zylinder galt es dann ins rechte Licht zu rücken, und Röhrl lächelt dabei, wenn er erzählt, wie sich etwa die junge Siebtklässlerin durch das Hantieren mit Beleuchtung und Scheinwerfern allmählich zur perfekten Lichttechnikerin entwickelte, sich in dieser Rolle fand und dabei durchaus Respekt verschaffte, ebenso wie die Schauspieler und Musiker.

Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens war es mir wichtig, manches schlicht und sprachlich einfach rüber zu bringen, was teilweise wiederum ins heiter-komische umschlägt, wenn Nee (ausdrucksstark von Jennifer Kratt gespielt) zunächst ganz stolz auf "ihre" (Beton)Wand ist, sich von Orkme den Lebenssinn durch das Falten von einfachen Papierschnitzel erklären läßt, oder wenn Deeca sie als "Punkt" auszeichnet, dann staunend meint: "unglaublich - ich verkörperte einen Punkt", um das Publikum zum Mitsingen aufzufordern "Ich bin toll", bis ihr Orkme diesen Spaß verdirbt.
Schließlich ist es die gute Fee Mara, die mit ihren langen goldenen Fingern bereits jene Höhe andeutet und für Nee und all den anderen Suchenden eine ganz konkrete Wegbeschreibung bereithält; daß es gar nicht verkehrt ist, sich suchend erst mal im Kreis umzusehn, sich selbst zu spüren, wenn es nur irgendwann in zylinderartigen Spuren nach oben geht.
Röhrl ist also nicht nur Bühnenautor, sondern sieht sich eben auch als Wegweisender. Dabei bietet er selbst das beste Beispiel des sich im Kreis in die Höhe zu schrauben, arbeitet er doch seit der Premiere am 10. Mai bereits an einem neuem Theaterstück: "Zuviel Liebe kann erdrücken" meint er lächelnd, sagt aber nicht, ob er aus eigenen Erfahrungen spricht.
Und dann, gegen Ende der Unterhaltung bei einem Glas Sekt, erhebt vehement und klar Alice Bzoch, eine zierliche junge Sängerin ihre Stimme. Seit kurzer Zeit also präsentiert die Realschule eine Bühne inklusive manch Talent, welches seit Röhrls Engagement längst nicht mehr vor sich hinzuschlummern braucht.

Während sich Röhrl 2001 auch als Lebenswegweisender zu erkennen gab, hatte er auch schon sein neues Stück angekündigt, das am 30. April 2002 seine Uraufführung feierte.

In "Von Liebe erdrückt" tanzen zwei Liebende, Cheillvette und Ilve, verliebt durch eine Wiese voller Blüten im strahlendem Sonnenschein, genießen das Gezwitscher der Vögelchen im Dreivierteltakt und fühlen mit der unendlichen Weite des Horizonts im Einklang.
Sich süchtig immer enger aneinander klammernd saugt Cheilvette alle verfügbare Atemluft in sich und füllt sich so gewaltig, daß sie - aus Liebe - ihren Liebsten erdrückt.
Der Liebste ziert noch eine Weile die Räume, wird irgendwann später beweint und endet schließlich in der Mülltonne.
Was ist es nun - Kabarett, Tragödie, Revue oder Musical?
Wahrscheinlich von allem. Dadaismus mit Musik, Satire und Tanz untermalt.