SPD-Neujahrsempfang
am 27.01.2002 mit Hans-Jochen Vogel

Politik xED

Bevor Landratskandidat Horst Schmidt den "Elder Statesman" Vogel ans Rednerpult lud, war es erst einmal er, der die Schwerpunkte seines komunalpolitischen Konzepts vortrugen durfte, um sich zu Politik für den Mittelstand, neuen Arbeitsplätzen auch durch Existenzgründungen zu äußern.

Gerade der Förderung regionaler Strukturen gilt seinem Augenmerk; so neben den Bereichen Tourismus den typischen Agenda-Themen Ernährung und Energie, für die er ausdrücklich die Tagwerk-Gewerkschaft sowie die Grüne Stadträtin Hanna Ermann aus Dorfen für deren Initiative im Energiemanagement lobte.

Wichtig sei ihm eine aktive Bürgerbeteiligung, z. B. bei der regionalen Dorfentwicklung oder der Verkehrspolitik. So könne vor einer das Isental zerschneidenden A94 endlich der S-Bahn-Ringanschluß realisiert werden.

Um eine Tradition im Bereich Komunikation, Toleranz, mit Künstlern und Literaten ins Leben zu rufen, würde er den "Erdinger Weissbräu" am liebsten zum "Erdinger Kulturbräu" machen. Auch eine verbesserete Schulsozialarbeit, sowie Beratung in Jugend- und Familienpolitik, sowie die Integration von Neubürgern waren weitere Themen des Kreisvorsitzenden.

Beachtenswert und von lang anhaltendem Beifall die Rede von Dr. Hans Joachim Vogel, der die Visionenen eines großen Weltpolitikers in Erdings Stadthalle skizzierte; sich mit Globalisierung, Ökologisierung und Rechtsextremismus auseinandersetzte, und sich nebenbei auch ans Jahr 1966 in Erding und dessen damaligen früheren SPD-Bürgermeister Schmidmayer erinnerte.

Vogel begann bei der Definition des Begriffs "Genosse", mit dem er die Zuhörer begrüßte. Grade heute sei es wichtig, zu wissen woher bestimmte Traditionen kommen, und grade auch der Begriff der Solidarität.

Mit dem Abschied aus der ersten Reihe der Sozialdemokratie hatte er kein Problem und zitierte im Hinblick auf Helmut Kohl dessen Vorgänger Helmut Schmidt, man solle gehen bevor man die Erleichterung anderer spürt.

Beim Thema hoher Arbeitslosigkeit und Schulden erinnerte er daran, daß die Bundesrepublik bereits vor 1998 eine Regierung hatte: auch "das solle man nicht vergessen!".

Dann wurde seine Rede außenpolitisch:
Vor allem durch die rasante Entwicklung im Verkehrswesen und die Durchgängigkeit nationaler Grenzen hätten sich immer schneller auch neue Märkte erschlossen, damit allerdings auch Gefahren, wie z. B. durch terroristische Anschläge.
Diese Gewalt wiederum könne nicht einfach mit militärischen Gegenschlägen beantwortet werden.
Ursache sei vielmehr die Ungerechtigkeit zwischen den Völkern, und daß 20 % der Weltbevölkerung über 80 % des Welthandels und der Energien verfügten, und forderte, frei nach Lassall, einen schrittweisen Abbau dieser Ungerechtigkeiten, die dann auch einen Schritt zu einem wirklichen Frieden bedeuten könnte.

In diesem Zusammenhang wäre es natürlich auch wichtig, die vorhandenen und begrenzten Ressourcen effizienter zu nutzen.
Kritisch setzte er sich hier mit den USA auseinander, die mit Kjoto wie dem Weltgerichtshof ganz wesentliche Schritte hin zum richtigen Weg und zu einer Weltinnenpolitik nicht anerkennen würden.
So würde auch der Markt nicht zum einzigen Kriterium, der jede sozialen, gesellschafts-, oder sportpolitischen Belange ausschalte.
Hier erinnerte er an seine Münchner Oberbürgermeisterzeit in der auch die Olympischen Spiele von 1974 fielen.
Während damals die sportlichen Aspekte zählten, regiere in den selben Spielen der Gegenwart längst der Kommerz, und die Korruption.

Derzeit würde alles Kommerzialisiert, bis hin zur Kinderpornographie.
Und die Großkonzerne wie Banken machten es vor, wie sich die Gehalter zwischen Manager und Facharbeiter immer mehr auseinander bewegen, inzwischen das bis zu 100-fache ausmachten.
Dabei würden die Sondervergütungen immer wichtiger, die abhängig vom Aktienwert meist parallel dem Arbeitsplatzabbau gerichtet sei.
So würden die sozialen Unterschiede nur weiter wachsen.